Bayreuther Festspiele: Geburtstag ohne Party

Ein Jubiläum nur mit Leitungswasser und trockenem Brot. Nicht viel anders ist das, was die Bayreuther Festspiele 2026 bieten können. Eigentlich sollte in zwei Jahren der 150. Geburtstag gefeiert werden. Nicht nur mit allen zehn Wagner-Opern, die dort zum heiligen Kanon gehören, sondern auch noch mit dem Frühwerk „Rienzi“, das erstmals auf dem Grünen Hügel gestemmt wird. Doch das Programm zu den Feierlichkeiten ist seit dem Vorabend dieses Nikolaustags Makulatur. Einige beteiligten Künstlerinnen und Künstler haben es erst aus der Presse erfahren. Die Festspiele begründen dies damit, dass oft deren Agenturen informiert wurden. Die wiederum haben die Nachricht teils erst später weitergegeben.

Nathalie Stutzmann, die gefeierte „Tannhäuser“-Dirigentin, gehört dazu. Während die Bayreuther ihre Pressemitteilung publizierten, probte sie gerade mit den Münchner Philharmonikern und ging noch davon aus, dass sie 2026 mit „Rienzi“ und „Tannhäuser“ dabei ist. Letzterer wurde nun abgesetzt. Ebenso die Wiederaufnahmen der „Meistersinger“ (ein Jahr nach der 2025er-Premiere!), „Lohengrin“ (mit Christian Thielemann) und „Tristan und Isolde“.

Der Grund für diesen Rumpf-Geburtstag: Das Geld fehlt. „Die aktuellen Kostenentwicklungen stellen die Bayreuther Festspiele vor große Herausforderungen“, teilen die Festspiele mit. „In Anbetracht dieser Entwicklungen ist es geboten, zur Sicherung der Spielzeitplanungen für die Folgejahre, die ursprüngliche Planung der Jubiläumsspielzeit anzupassen.“ Vor allem die Personalkosten machen dem Festival zu schaffen. Die zusätzlichen Finanzmittel für den 150. Geburtstag könnten nicht aus eigener Kraft erwirtschaftet werden – und dies trotz eines „nach wie vor sehr hohen Eigenfinanzierungsgrades“ von mehr als 55 Prozent, wie es heißt. Auch die Gesellschafter (Bund, Freistaat, Stadt und Förderverein) wollen ihre Beiträge nicht erhöhen.

Für Festspielleiterin Katharina Wagner ist das ein herber Schlag. 2026, das sollte eine weltweit ausstrahlende Wagner-Sause werden. Jetzt gibt es nur noch ein Diätprogramm. Zur Eröffnung wird Beethovens Neunte unter Thielemann gespielt. Er betreut auch einen halbszenischen „Ring des Nibelungen“, der nur 2026 läuft, weil 2028 schon die nächste reguläre Neuinszenierung folgt. Dazu gibt es Wiederaufnahmen von „Der fliegende Holländer“ und „Parsifal“. Letztere Produktion ist umstritten, weil nur ein kleiner Teil des Publikums in den Genuss der Computerbrillen kommt, mit denen Regisseur Jay Scheib das Geschehen digital aufhübschte.

Immerhin kann Bayreuth mit dem neuen und erstmaligen „Rienzi“ protzen. Über ein halbes Dutzend Aufführungen waren bislang geplant. Und ziemlich viel deutet auf Andreas Schager hin, dessen wetterfester Tenor mit der Titelrolle weniger Probleme als andere Kollegen haben müsste. Und der „Tannhäuser“, die beste Inszenierung der jüngeren Bayreuth-Geschichte? Eigentlich sollte Tobias Kratzers Regie-Großtat 2026 ein letztes Mal gezeigt werden. Doch angeblich verschwindet sie nicht sang- und klanglos im Orkus, sondern wird auf 2027 verschoben.

Die Festspiele bringt das alles in eine heikle Situation. Für 2026 dürften einige Verträge abgeschlossen worden sein. Überhaupt ist guter Rat teuer, wie dort die ständig steigenden Kosten aufgefangen werden können. Eine Konsequenz wurde bekanntlich schon gezogen: Man verkleinerte den Chor. Und es gibt da einen alten Plan, der dem Festspielgedanken widerspricht: Die Umstrukturierung des Orchesters – beziehungsweise eine Streichung des Klangkörpers in der bisherigen Form. Als Ersatzlösung könnte man zum Beispiel auf die quasi benachbarten und angeblich willigen Bamberger Symphoniker zurückgreifen. Womit Bayreuth eine legendäre Konstruktion aufgeben würde: Das Festspielorchester setzt sich traditionell aus Mitgliedern vieler internationaler Ensembles zusammen.

Die jüngste Bayreuther Entwicklung zeigt, unter welch heftigen Spardruck  auch renommierte Kulturinstitutionen stehen. Das geht bis zur Existenzgefährdung wie bei der Berliner Schaubühne oder der dortigen Komischen Oper. Die Bayreuther Festspiele selbst dürften nicht gefährdet sein, wohl aber ambitionierte Pläne wie künftig zwei Neuproduktionen pro Jahr, die dann nur wenige Jahre laufen. Letztlich also all das, was sich die erst in diesem Jahr vertragsverlängerte Katharina Wagner vorgenommen hatte.

Fotocredit: Daniel Karmann/dpa

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