Bayreuth unter Katharina Wagner: Es ruckelt, aber es läuft

Alles wie immer? Nicht mal ein Skandälchen? Wo Letzteres ausbleibt, hält man sich eben an Pseudo-Aufreger. An noch immer nicht ausverkaufte Vorstellungen zum Beispiel. Oder an einen Generalmanager, dem man Katharina Wagner angeblich gegen ihren Willen vor die Nase gesetzt hat. Ansonsten bleibt Bayreuth ein Hort der Tradition. Bis hin zu Markus Söder, der sich am roten Teppich sein jährliches Foto abholt, drinnen in der Loge noch kurz posiert, um dann nach Dunkelwerden aus dem Saal zu verschwinden. Menschen, die so etwas wissen müssten, erzählen das gerne. Bleibt noch Alice Weidel, Damen-Buddy von Fürstin Gloria, die angeblich auf Einladung des Blaubluts zum Grünen Hügel reiste. Die Co-AfD-Chefin beim Lieblingsspektakel des braunen Diktators – wieder einmal schlägt Realität das Kabarett.

Doch: Finanziell ist es eng geworden für Bayreuth. Aber deswegen unterkriegen lassen? So weit kommt’s noch. Die Festspiele bleiben dem Credo ihres Gründers Richard Wagner („Kinder macht Neues“) treu. Das verdeutlicht allein der Vergleich mit der Salzburger Konkurrenz. Während man dort auf die immer gleichen bis ausgebrannten Regisseure setzt, wartet Katharina Wagner mit neuen bis überraschenden Namen auf. Dieses Jahr inszeniert ein Musical-Experte die „Meistersinger“, 2026 ein ungarisches Regisseurinnen-Duo den „Rienzi“. Das ist riskant, und ein paar Mal lag die Festspielchefin mit ihren Ideen daneben, man denke nur an den „Parsifal“ mit seinen (überflüssigen) digitalen Spielereien oder an den aktuellen, inhaltlich dürftigen „Ring“.

Aber das gehört zum Wesen eines solchen Unternehmens. Festspiele sind Ausnahmefall, Scheitern inbegriffen. Die Entdeckungen dort, so das Ideal, können den Alltag an den Opernhäusern beeinflussen und ihm Impulse geben. Es ruckelt in Bayreuth, aber es läuft. Und dass es gelegentlich hakt, ist nicht unbedingt der Komponisten-Urenkelin anzulasten. Schuld daran ist auch eine heillos verworrene Organisationsstruktur mit zu vielen Gremien, die ihren Bratwurstsenf dazugeben dürfen. Und die Tatsache, dass Katharina Wagner in den vergangenen Jahren oft keinen Sparringspartner als Geschäftsführer hatte, mit dem ein hundertprozentiges Vertrauensverhältnis möglich war. Ab 2026 ist mit Generalmanager Matthias Rädel der Nächste dran. Auch vor dem Hintergrund der finanziellen Situation sind beide zum Erfolg verdammt.

(Fotocredit: Karl-Josef Hildenbrand/dpa)

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